Robert Krainhöfner
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Künstlerort: Robert Krainhöfner schafft große, eindrucksvolle Faltskulpturen aus Stahl und Plexiglas. Von Ulrike Merkel

Ein 2013 entstandenes Video auf Youtube verrät, wie handfest der 48-Jährige dabei zu Werke gehen muss. Bei einer Performance in Weimar verformte er in aller Öffentlichkeit ein mannshohes Stahlblech, das er zuvor mit zwei langen Einschnitten versehen hatte. Dazu schürte er mit Freunden ein stattliches Feuer, mechanisch angetrieben durch einen überdimensionalen Blasebalg. Das Stahlblech legte er so auf die Glut, dass die zuvor verjüngte Falzstelle zum Glühen gebracht werden konnten. Über einen Kran ließ Krainhöfner schließlich zwei über Kreuz liegende Ecken langsam nach oben ziehen, so dass sich das Blech allein durch die Schwerkraft an der glühenden Falzkante faltete. Das zweidimensionale Stahlstück wurde durch den Prozess in eine Art räumlich verzerrtes X verwandelt. Die Skulptur „Diagonal“ war geboren.

Auf ähnliche Weise sind viele seiner Werke entstanden, etwa die mehrfach gefalteten Stahlbänder und seine Stahlring-Skulpturen. Krainhöfner interessiert dabei die räumliche Metamorphose, die eine zweidimensionale geometrische Figur nimmt, wenn man sie auf verschiedenste Art faltet. Zur Kunst fand Robert Krainhöfner allerdings erst spät. 1967 in Jena geboren, ist er in seinem ursprünglichen Beruf des Werkzeugmachers unglücklich. Ein erster Versuch, den Werkhallen zu entfliehen, scheitert: „Noch zu DDR-Zeiten wollte ich Musik studieren, wurde aber nicht genommen“, sagt der diesjährige Preisträger des Thüringer Arbeitsstipendiums für Bildende Kunst. In der Wendezeit, zwei Tage vor dem Mauerfall, flieht er über die tschechische Grenze nach Bayern – zur (damaligen?) Freundin. Doch auch hier ist er in seinem Beruf „todunglücklich“ – trotz einer anspruchsvolleren Stelle.

Auf der Suche nach einem erfüllenden Lebensentwurf unternimmt Robert Krainhöfner mehreren Reisen nach Südamerika, macht aber auch ein Praktikum in einer Schreinerei. „Ich wollte etwas mit Holz machen, ich hatte Metall so satt“, sagt er. Letztlich ist es aber ein Wochen­end-Schnitzkurs, der den entscheidenden Impuls liefert. Mit der Information, dass an der Berchtesgadener Schnitzschule Holzbildhauer ausgebildet werden, reist er in die Alpen. Doch dort muss er feststellen, dass die Schule sehr hohe Aufnahme-Bedingungen stellt. Um aufzuholen, besucht er Volkshochschulkurse, malt eifrig Stillleben. Und tatsächlich, ein Jahr später gelingt die Aufnahme. „Das war wie eine Neugeburt“, sagt Krainhöfner. „Nach drei wunderbaren Jahren“ in Berchtesgaden beginnt er 1995 sogar ein Studium für figürliche Bilderhauerei in Nürnberg, um 1999 noch ein Aufbaustudium für Kunst im öffentlichen Raum folgen zu lassen. Sein Studium finanziert er mit Unterricht in Bildhauerei an der Jenaer Waldorfschule.

Schon 1996 hatte Robert Krainhöfner mit viel Glück ein passendes Atelier am Göschwitzer Bahnhof in Jena gefunden. Diese schöne, alte Güterabfertigung, die mit Kohleöfen und Plumpsklo an vergangene Zeiten erinnert, dient ihm bis heute als Werkstatt und Atelier. Der Keller beherbergt Schreinerei und Schmiede. Im Erdgeschoss befinden sich Werkräume und ein uriges Planungsbüro. Hier auf dem Tisch steht das Modell eines seiner aktuellen Projekte: der Entwurf für eine Faltskulptur für den in Neuplanung befindlichen Jenaer Johannisplatz. Die zweite Runde der deutschlandweiten Ausschreibung hat er bereits erreicht.

Blickt Robert Krainhöfner auf das laufende Jahr zurück, ist er sehr zufrieden. Nicht nur der Freistaat gewährte ihm eines der zwei begehrten Kunststipendien. Darüber hinaus stemmte er vier Einzel- und Doppelausstellungen, darunter eine Schau in Bremen und eine in der Jenoptik AG. Das Jenaer Hightech-Unternehmen hat zudem zwei seiner Werke angekauft, die das Foyer zwischen den regelmäßigen Wechselausstellungen zieren.

Und so hinterlässt der Künstler immer mehr Spuren in Jena und ganz Thüringen wie vor dem Sitz des Jenaer Oberbürgermeister – Spuren in seinem ursprünglichen Werkstoff. „Es hat lange gedauert, bis ich begriff, dass ich nicht das Metall gehasst habe, sondern den unkreativen Beruf“, sagt er.





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